Das Stadionmodell bei Oberklausen

Der Stadionberg bei Oberklausen

 

Oberklausen ist ein kleiner Ort ganz in der Nähe von meiner Wohnung, zwischen Nürnberg und Amberg gelegen. Dieser Ort, an dem viele Menschen heute meist unwissend vorbeifahren, ist sehr geschichtsträchtig. Am gegenüberliegenden Hang des Stockbühl (im Volksmund Stadionberg), erkennt man nur noch vereinzelte Betonfundamente, die seit 1999 unter Denkmalschutz stehen. Es sind Fundamente von einem Stadionmodell, das hier in den Jahren 1937 bis 1939 entstand.

Auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg sollte im Dritten Reich nach Willen der Machthaber das Deutsche Stadion für nazionalsozialistische Masseninszenierungen enstehen. Es sollte das größte Stadion der Welt mit 420.000 Sitzplätzen werden. (L: 540 m, B: 445 m, H: 82 m) Nach den Planungen von Architekt Albert Speer wäre es somit auch deutlich größer als das Berliner Olympiastadion geworden.

Vor dem Bau sollte die Optik und Akustik des Bauwerkes getestet werden. Hierzu errichtete man eben an diesem Hang im Hischbachtal ein Teilmodell des Stadions im Maßstab 1:1. Die Maße des Modells waren L: 100 m, B: 75 m, H: 70 m.

Auf der Baustelle arbeiteten 400 Zimmerleute und Arbeiter rund um die Uhr. Das Modell entsprach einem Zehntel des geplanten Deutschen Stadions, es bestand aus drei Tribünenrängen und 42.000 Sitzplätzen sowie einem großen Turm, der als Aufzugsbahnhof u.a. für das Langholz aus dem Bayerischen Wald diente.

Am 21. März 1938 besuchte Hitler und Speer zusammen das geheime Stadionmodell. Am Fuße gab es eine Darbietung einer Sportgruppe aus Hersbruck.

Mit Kriegsbeginn wurden die Arbeiten eingestellt. 1954 entschied die amerikanische Militärregierung zu einem Abbruch des Modells. Die überbliebenden Reste sind heute noch zu sehen, jedoch verschwinden sie langsam wieder im Wald.

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