Flossenbürg

Flossenbürg – KZ-Gedenkstätte – Arrestbau (Deutschland)

 

 

Flossenbürg ist eine kleine Gemeinde im Oberpfälzer Landkreis Neustadt an der Waldnaab in Bayern, unweit der Grenze zur Tschechischen Republik. Schon bei der Anfahrt erblickt man die auf dem Schloßberg liegende Burgruine hoch oberhalb der Gemeinde. Bekannt ist Flossenbürg jedoch vor allem für seinen Marmor und dem Konzentrationslager. Außerdem ist Flossenbürg die Wahlheimat des nordischen Kombinierers Eric Frenzel. Geografische Bedeutung hat der Ortsteil Hildweinsreuth als Mittelpunkt Mitteleuropas.

Weitere Infos: https://www.flossenbuerg.de

 

Sehenswürdigkeiten:

  • KZ-Gedenkstätte Flossenbürg
  • Burgruine Flossenbürg
  • Burg- und Steinhauermuseum
  • Mittelpunkt Mitteleuropa
  • Rundweg „Wege des Granits“
  • Schellenberg, 0.826 m mit Burgruine
  • Großer Rabenberg, 0.894 m
  • Entenbühl, 901 m

 


Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Im Konzentrationslager Flossenbürg hielt die SS zwischen Mai 1938 und April 1945 rund 100.000 Häftlinge im Haupt- und den Nebenlagern gefangen, von denen mindestens 30.000 ums Leben kamen. Das Lager diente als Arbeitslager, um die Granitvorkommen im Ort durch Zwangsarbeit abzubauen. Bis 1942 mussten die Häftlinge hauptsächlich in den Steinbrüchen für das SS-eigene Wirtschaftsunternehmen DESt (Deutsche Erd- und Steinwerke) arbeiten. Ab 1942 errichtete die SS vor allem für Rüstungsbetriebe über 100 Außenlager des KZ Flossenbürg im Umkreis Bayern, Böhmen und Sachsen. Ab 1943 wurden in Flossenbürg auch Flugzeugteile der Firma Messerschmitt montiert. Befreit wurde Flossenbürg am 23. April 1945 durch die US-Armee. Sie fand nur noch 1.500 Todkranke vor. Die restlichen Häftlinge wurden von der SS auf Todesmärschen nach Süden getrieben. Das KZ war nach dem Krieg lange Zeit ein „vergessenes Lager“. Ein „Friedhofscharakter“ überwog. Dies änderte sich erst im Jahr 1995, dem 50. Jahrestag der Befreiung. Inzwischen gehört die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg zur Stiftung Bayerischer Gedenkstätten und hat sich zum international bedeutenden Erinnerungs- und Lernort entwickelt.

Die heute erhaltenen Bauten sind die 3 Wachtürme, die Kapelle, die Jüdische Gedenkstätte, das Krematorium, der Platz der Nationen, die Aschepyramide, die Lagerküche, die Wäscherei, der Apellplatz, Teile des Arrestbaus, das Lagertor, Teile vom Lagerzaun, das SS-Casino mit dem heutigen Bildungszentrum und Museumscafé und die SS-Kommandantur (heutige Verwaltung).

„Tal des Todes“: In der Senke ließ die SS nicht nur Leichen verbrennen, sondern auch Häftlinge exekutieren. In der Nähe des Krematoriums ist die Asche von 15.000 Menschen verstreut oder vergraben. Als zwei Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers die erste Gedenkstätte eingeweiht wurde, erhielt dieses Areal den Namen „Tal des Todes“. Die in Blickrichtung zum Krematorium erbaute Kapelle thront als christliches Symbol über der Talsenke. Die aus Leichenbrand und Erde errichtete „Aschepyramide“ ist ein stellvertretendes Grabmal für die Toten des KZ Flossenbürg. Auf dem „Platz der Nationen“ wird nach Herkunftsländern an sie erinnert. Die 1947 angebrachten Opferzahlen stimmen nicht mit dem Stand der Forschung überein.

Lagerbordell: Mitte Juli 1943 eröffnete die SS-Führung ein Bordell für KZ-Häftlinge. Dafür wurde eigens eine Holzbaracke am Rande des Lagergeländes errichtet. Dere Bordellbesuch war ein Teil eines Prämiensystems, das die Arbeitsleistung der Häftlinge steigern sollte. Davon profitierte nur eine priviligierte Gruppe. Juden, Sinti, Roma und Häftlinge aus der Sowjetunion waren grundsätzlich ausgeschlossen. Die Frauen, die im „Kommando Sonderbau“ arbeiten mussten, waren ebenfalls KZ-Häftlinge. Die SS zwang etwa 15 weibliche Gefangene aus dem KZ Ravensbrück zur Prostitution im Flossenbürger Lagerbordell. Diese Form der Zwangsarbeit erlebten die betroffenen Frauen als extreme Demütigung. Die meisten von ihnen konnten nach der KZ-Haft über diese Gewalterfahrung nicht sprechen. Bis zum Abriss Mitte der 1950er Jahre wurde der ehemalige „Sonderbau“ als Wohnraum für Flüchtlinge genutzt. Das Thema Lagerbordell blieb bis in die 1990er Jahre ein Tabu.

Arrestbau: Der 1940 errichtete Arrestbau bestand aus 40 Einzelzellen und einem davor liegenden Hof, der mit Mauern umgeben war. Hier wurden willkürlich Lagerstrafen vollzogen, Häftlinge gefoltert und mit Einzelhaft bei Nahrungsentzug und Verdunklung bestraft. Der Arrestbau diente auch als Gefängnis für prominente Sonderhäftlinge aus dem In- und Ausland. darunter befanden sich wichtige persönlichkeiten aus Militär, Kirche und Politik, die Gegner des Nationalsozialismus waren. Im Hof des Arrestbaus wurden mehr als tausend Menschen exekutiert. Dietrich Bonhoeffer, Wilhelm Canaris, Hans Oster und andere wurden hier ermordet. 1964 erfolgte der fast vollständige Abriss.

Die ehemalige Wäscherei beherbergt seit 2007 die Dauerausstellung „Konzentrationslager Flossenbürg 1938-1945“, ab 2010 wird die zweite Dauerausstellung „was bleibt – Nachwirkungen des Konzentrationslagers Flossenbürg“ in der ehemaligen Lagerküche gezeigt.

Weitere Infos: https://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de

 


Die Burgruine Flossenbürg

Das Wahrzeichen von Flossenbürg und des Naturparks „Nördlicher Oberpfälzer Wald“ ist die Burgruine Flossenbürg auf dem Schloßberg. Die Burgruine zählt mit ihrer markanten Gipfelbefestigung zu den eigenartigsten Burgen Bayerns. Der älteste Teil der Burg stammt aus dem Jahr 1100 und wurde von den mächtigen Grafen von Sulzbach gegründet. 1125 fand die Burg erstmals Erwählung. Die Anlage wurde im Laufe der Jahrhunderte ständig erweitert und umgebaut. Der Hungerturm entsteht um 1200 außerhalb der Burganlage. Das Ende der Burg kam im Dreißigjährigen Krieg. 1634 wurde sie von abziehenden schwedischen Dragonern in Brand gesteckt. Ab Anfang der achziger Jahre begann man mit der Sicherung des Gemäuer, es folgten Ausgrabungen und Restaurierungen. Heute ist die Burgruine ganzjährig geöffnet. Das Aussichtsplateau bietet eine herrliche Fernsicht.

 


Das Burg- und Steinhauermuseum

Das Burg- und Steinhauermuseum in der Silberhüttenstraße 4 in Flossenbürg zeigt die Ergebnisse der Entdeckungen aus den Ausgrabungen der Burg. Ebenfalls wird die Geschichte des Flossenbürger Granitabbaus dargestellt.

 


Der Mittelpunkt Mitteleuropas

Im Ortsteil Hildweinsreuth markiert eine Granitscheibe einen Ausschnitt aus dem Globus mit einem Metallkegel als Standort. Der Stein weist darauf hin, daß sich hier der geografische Mittelpunkt Mitteleuropas befindet.

Im Mai 1981 wurde der Mittelpunkt im Fernsehen vorgestellt. Am 15.9.1985 wurde der Hinweisstein mit der Infotafel eingeweiht.

Die Vorgabe zur Standortbestimmung geht bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts zurück, zur Zeit Kaiser Karl VI. In dieser Zeit hatte das Deutsche Reich den Höhepunkt seiner Macht und seine größte Ausdehnung erreicht. Die Hälfte des Weges zwischen Lübeck und Triest galt damals als Mittelpunkt Europas. Eine neue Berechnung des Instituts für Geographie der Universität München ergab diese Stelle in Hildweinsreuth.

 


Wahlheimat von Eric Frenzel

Der am 21.11.1988 in Annaberg-Buchholz geborene nordische Kombinierer Eric Frenzel wuchs in Geyer auf und lebt seit 2010 mit seiner Frau und seinen Kindern in Flossenbürg. Seit 2003 gehört er zum Nationalkader der nordischen Kombination – eine Wintersportart, in der die Einzeldisziplinen Skispringen und Skilanglauf kombiniert sind. Er startet für den WSC Ergebirge Oberwiesenthal.

 

 

 

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